Unter ihrer Burg, auf dem Gebiet des heutigen Schlossparks Mayr-Melnhof, ließen die Grafen von Pfannberg eine Mauritius-Kirche errichten, um die sich die Häuser des Dorfes (Alt-) Mauritzen gruppierten. Sie war eine Tochterkirche der Pfarre Adriach und wurde von einem Kaplan betreut, damit sich die Dorfbewohner den weiten Weg zur damaligen Pfarrkirche Adriach ersparen konnten. Die Kirche besaß ein Taufbecken und sogar fünf geweihte Altäre. Nach Aufhebung der Pfarre Adriach wurde der schöne Sakralbau mit dem hohen Kirchturm zunächst entweiht, dann versteigert und schließlich demoliert. Nur der Friedhof blieb bis 1885 bestehen, und das Beinhaus, ein sechseckiger Bau aus dem 15. Jahrhundert, steht noch heute im Schlosspark. Die Kirche selbst kann man nur mehr auf einem Votivbild (Dankesbild) sehen, das in der Pfarrkanzlei hängt.
Als kleinen Ersatz für die abgerissene Kirche errichtete man 1872 in Neu-Mauritzen einen Breitpfeiler-Bildstock, der im Volksmund „Mauritius-Kapelle“ genannt wurde. Um dieses kleine Wegheiligtum entstanden noch im 19. Jahrhundert zuerst das Bürgerspital (heute Elektro-Jöller), dann als kleines, ebenerdiges Wirtshaus der ehemalige Gasthof Weißenbacher und das inzwischen wieder abgetragene Gebäude der Straßenmeisterei.
Der heilige Mauritius war der Überlieferung nach ein römischer Offizier, der wie alle anderen Mitglieder seiner in Agaunum (heute St. Moritz in der Schweiz) stationierten Legion aus Theben in Ägypten stammte und Christ war. Die Legion weigerte sich, den römischen Göttern zu opfern und an Christenverfolgungen teilzunehmen. Daraufhin ließ ein Mitregent von Kaiser Diokletian zur Abschreckung jeden 10. Mann umbringen. Die christliche Legion zeigte sich jedoch von dieser drakonischen Maßnahme unbeeindruckt. Anfang des 3. Jahrhunderts starb dann Mauritius den Märtyrertod. Auf Veranlassung des deutschen Kaisers Otto I. bestätigte Papst Johannes XII im Jahr 962 die Verehrung des Heiligen, dessen Gedenktag nun am 22. September gefeiert wird. Der Name „Mauritius“ ist eine Weiterbildung von lateinisch „Maurus“, das heißt „der aus Mauretanien Stammende“ bzw. „der Mohr“. Der heilige Mauritius wird daher immer als dunkelhäutiger Soldat dargestellt wie im Bildstock vor der Murbrücke. Er ist unter anderem der Patron der Soldaten, Schmiede und Glasmaler, hilft bei Pferdekrankheiten, Gicht und Ohrenleiden.
Im Jahre 1935 wurde der Mauritius-Bildstock von Baumeister Josef Ortis, der damals auch Bürgermeister von Mauritzen war, neu geplant und errichtet. Im selben Jahr noch erfolgte die feierliche Einweihung. Als man vor 30 Jahren die alte Holzbrücke über die Mur durch eine Betonbrücke ersetzte, wurde der Bildstock von der Gemeinde unter dem damaligen Bürgermeister Peter Gottlieb renoviert, zum Brückenkopf hin versetzt und mit Schindeln gedeckt. Am 10. Juli 1981 weihten Pater Hieronymus und der evangelische Pfarrer Grosse die Brücke und den Bildstock in einer großen Feier ökumenisch ein. Als vor etlichen Jahren ein Blitz in den Bildstock einschlug und das Schindeldach zerstörte, übernahm die Familie Weißenbacher die Kosten für die Renovierung.
Wenn Sie wieder einmal zur Tankstelle fahren, zum Unimarkt oder Friseur gehen, könnten Sie einen Blick auf die Statue des Märtyrers aus der Römerzeit werfen. Unter seinem Schutz steht die Mauritzener Hauptstraße, die seinen Namen trägt wie einst das alte Dorf Mauritzen.
Wir verwenden Cookies, um externe Inhalte einzubinden und Zugriffe zu analysieren. Unter "Details" können Sie die Freigabe Ihrer Daten steuern.